NS-Erziehung: Ziele und Methoden totalitärer Erziehung

Erziehung im Nationalsozialismus

Schritt 1

Wo stehst du gerade?

Schätz ehrlich ein, wie gut du das schon kannst. Daraus entsteht dein persönlicher Lernplan.

  1. Selbstcheck

    Ich kann die drei Säulen der NS-Erziehung (Familie, Schule, HJ/BDM) und das Ziel der totalen Erfassung nennen.

    Tipp auf die Sterne

    Kompetenz 1 von 6

  • Ich kann die drei Säulen der NS-Erziehung (Familie, Schule, HJ/BDM) und das Ziel der totalen Erfassung nennen.
  • Ich kann erklären, wie das NS-Regime den Einfluss der Familie gezielt zurückdrängte.
  • Ich kann die Gleichschaltung der Schule und den Grundsatz „Körper vor Geist“ an Beispielen erklären.
  • Ich kann Formationserziehung und funktionale Erziehung nach Krieck erläutern und voneinander abgrenzen.
  • Ich kann Aufbau, Methoden und Rollenbilder von HJ und BDM erläutern und in einem Fall als Prinzipien der NS-Erziehung nachweisen.
  • Ich kann das Verhältnis von Erziehung, Sozialisation und Identitätsbildung im Nationalsozialismus begründet bewerten.

Mein Lernplan

Bewerte dich links, dann schreib ich dir hier auf, womit du anfangen solltest.

    Schritt 2

    Die Theorie erklärt

    Was war die Strategie der Nationalsozialisten zur Beeinflussung der Jugend?

    Nachdem Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, entwickelten die Nationalsozialisten unter seiner Führung eine umfangreiche Strategie. Ihr Ziel: die Jugend vollständig zu erfassen und in die rassistisch definierte „Volksgemeinschaft“ einzugliedern. Gewollt war nicht der mündige, kritische Mensch, sondern der gehorsame, körperlich starke und opferbereite „Volksgenosse“. Die Kernstrategie stand auf drei Hauptpfeilern: Familie, Schule und außerschulische Freizeit, vor allem durch die Jugendorganisationen HJ und BDM. Zusammen sollten sie dafür sorgen, dass kaum noch ein Lebensbereich außerhalb der Kontrolle des Regimes blieb.

    Wie wurde die Familienstruktur im nationalsozialistischen System umgestaltet?

    Offiziell feierte die Propaganda die Familie als „Keimzelle des Volkes“. Als Erziehungsinstanz versuchte das Regime aber, sie zu schwächen. Dienste, Fahrten und Lager der HJ beanspruchten so viel Zeit, dass für die Familie wenig übrig blieb. Außerdem schürte das Regime Misstrauen zwischen Kindern und Eltern: Wer zu Hause über die Regierung schimpfte, musste damit rechnen, dass das eigene Kind es weitererzählt. So sollte der Einfluss der Eltern möglichst klein werden.

    Welche Veränderungen wurden im Bildungssystem vorgenommen?

    In der Schule gab es erhebliche Veränderungen:

    • Die Betonung verschob sich weg von der geistigen Bildung und hin zur körperlichen Ertüchtigung. Die Rangfolge lautete: erst Körper, dann Charakter und Wille, zuletzt Wissen.
    • Schulfächer wurden politisch ideologisiert, zum Beispiel durch „Rassenkunde“ in Biologie oder ein nationalistisches Geschichtsbild.
    • Lehrer durchliefen eine ideologische Auslese: Jüdische und politisch unerwünschte Lehrkräfte wurden ab 1933 entlassen, die übrigen im NS-Lehrerbund weltanschaulich ausgerichtet.
    • Konfessions- und Privatschulen wurden nach und nach geschlossen, die Schullandschaft wurde vereinheitlicht.
    • Jüdische Kinder wurden zunehmend ausgegrenzt und ab November 1938 ganz von öffentlichen Schulen ausgeschlossen.

    Wie sollten HJ und BDM die Jugend formen?

    Für dein Abi ist dieser Teil besonders wichtig, denn die Prinzipien der NS-Erziehung sollst du am Beispiel von HJ und BDM erklären können. Die Organisationen waren nach Alter und Geschlecht gegliedert: 10- bis 14-jährige Jungen kamen ins Deutsche Jungvolk, gleichaltrige Mädchen in den Jungmädelbund. Mit 14 ging es für Jungen in die Hitlerjugend (HJ), für Mädchen in den Bund Deutscher Mädel (BDM). Andere Jugendverbände wurden verboten oder eingegliedert. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend von 1936 wurde die HJ zur Staatsjugend, die neben Elternhaus und Schule erziehen sollte. Ab 1939 galt die Jugenddienstpflicht, die Mitgliedschaft war also Pflicht.

    Warum machten viele trotzdem begeistert mit? Die HJ bot genau das, was Jugendliche reizt: Abenteuer, Zeltlager, Sport, Uniform, Gemeinschaft und die Chance, schnell selbst Anführer zu werden. Nach dem Grundsatz „Jugend führt Jugend“ befahl zum Beispiel ein 16-Jähriger einer Gruppe von Zwölfjährigen. Das fühlte sich nach Freiheit von den Erwachsenen an, war aber in Wahrheit streng von oben gelenkt (Führerprinzip: unbedingter Gehorsam gegenüber dem Vorgesetzten).

    Die Ziele waren klar nach Geschlecht getrennt: Jungen sollten durch Geländespiele, Schießübungen und Härte auf den Dienst als Soldat vorbereitet werden. Mädchen sollten im BDM gesund und leistungsfähig werden und sich auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereiten, zum Beispiel mit Kursen zu Haushalt und Säuglingspflege. Beide erhielten weltanschauliche Schulung bei Heimabenden. Wer nach der NS-Ideologie nicht zur „Volksgemeinschaft“ gehörte, etwa jüdische Jugendliche, war ausgeschlossen und wurde verfolgt.

    Welche pädagogischen Prinzipien und Ziele standen im Vordergrund?

    Hinter all dem standen verschiedene pädagogische Prinzipien. Merk dir vor allem diese zwei:

    • Formationserziehung: Erziehung findet in staatlich kontrollierten Gruppen (Formationen) statt, die nach militärischem Vorbild gegliedert sind, also etwa Schar, Fähnlein oder Bann. Nicht der Einzelne steht im Mittelpunkt, sondern die Gruppe. Individuelle Entfaltung ist nicht vorgesehen, der Staat übt eine starke Kontrolle aus. Der Begriff wird meist mit dem NS-Pädagogen Alfred Baeumler verbunden.

    • Funktionale Erziehung nach Ernst Krieck: Erziehung geschieht vor allem unbewusst, einfach durch das Leben in der Gemeinschaft. Rituale wie Fahnenappelle, gemeinsame Lieder, Feiern und Vorbilder prägen die Jugendlichen, ohne dass Inhalte diskutiert oder kritisch hinterfragt werden. Dabei werden sie in feste Hierarchien eingegliedert und auf ihre Rolle im NS-System vorbereitet.

    Der Unterschied: Formationserziehung beschreibt die Organisationsform (Wo und wie ist die Jugend organisiert?), funktionale Erziehung die Wirkweise (Wie wirkt die Gemeinschaft auf den Einzelnen?). Die Hauptziele waren körperliche Ertüchtigung, Charaktereigenschaften wie Gehorsam, Härte und Opferbereitschaft und die Vorbereitung auf feste Rollen im NS-Staat.

    Ganz aufgegangen ist der totale Anspruch übrigens nicht: Gruppen wie die Edelweißpiraten oder die Swing-Jugend entzogen sich dem Zugriff der HJ oder lebten bewusst einen eigenen Stil, obwohl sie dafür verfolgt und bestraft wurden. Wichtig für deine Beurteilung: NS-Erziehung war keine Erziehung zur Mündigkeit, sondern Indoktrination im Dienst eines verbrecherischen Systems, das Ausgrenzung, Krieg und Völkermord vorbereitete.

    Begriffe verstehen

    Gleichschaltung
    Die erzwungene Ausrichtung aller Institutionen, Verbände und Organisationen auf die NS-Ideologie. Konkurrierende Einrichtungen wurden verboten, aufgelöst oder eingegliedert.Beispiel: Andere Jugendverbände wurden ab 1933 verboten oder in die HJ überführt; Lehrkräfte wurden im NS-Lehrerbund organisiert.
    Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM)
    Die NS-Jugendorganisationen. 10- bis 14-Jährige waren im Deutschen Jungvolk bzw. Jungmädelbund, 14- bis 18-Jährige in HJ bzw. BDM. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend (1936) wurde die HJ Staatsjugend, 1939 wurde die Jugenddienstpflicht eingeführt.Beispiel: Heimabende, Sportwettkämpfe, Fahrten, Zeltlager und Aufmärsche füllten die Freizeit der Jugendlichen.
    Formationserziehung
    Erziehung findet in staatlich kontrollierten Gruppen (Formationen) statt, die nach militärischem Vorbild gegliedert sind. Nicht der Einzelne, sondern die Gruppe steht im Mittelpunkt, individuelle Entfaltung ist nicht vorgesehen. Der Begriff wird meist mit Alfred Baeumler verbunden.Beispiel: Im Lager marschiert, singt und isst die Gruppe gemeinsam nach festem Zeitplan und auf Kommando.
    Funktionale Erziehung (Ernst Krieck)
    Erziehung geschieht vor allem unbewusst durch das Leben in der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft formt den Einzelnen durch Rituale, Vorbilder und Einordnung in Hierarchien, nicht durch Nachdenken und Diskussion.Beispiel: Fahnenappelle, gemeinsame Lieder und Feiern prägen Einstellungen, ohne dass Inhalte kritisch besprochen werden.
    Führerprinzip
    Unbedingter Gehorsam gegenüber dem jeweils Vorgesetzten, bis hinauf zu Hitler. In der HJ galt der Grundsatz, dass Jugend von Jugend geführt wird.Beispiel: Ein 16-jähriger Scharführer befiehlt einer Gruppe von Zwölfjährigen und wird damit selbst zur Autorität.
    Indoktrination
    Die gezielte, einseitige Beeinflussung, bei der eine Weltanschauung als unanfechtbar vermittelt und Kritik ausgeschlossen wird. Sie ist das Gegenteil einer Erziehung zur Mündigkeit.Beispiel: Im Biologieunterricht wurde „Rassenkunde“ als Wissenschaft ausgegeben und damit Antisemitismus gelehrt.

    Ein Beispiel Schritt für Schritt: Paul und der Dienst am Mittwoch

    (Fiktives Fallbeispiel, 1937) Der zwölfjährige Paul ist im Deutschen Jungvolk. Mittwochs und am Wochenende hat er „Dienst“: Geländespiele, Marschieren, Heimabende mit Liedern und Vorträgen. Sein Fähnleinführer ist erst 16 und für Paul ein großes Vorbild. In der Schule gibt es mehr Sportstunden, im Biologieunterricht wird „Rassenkunde“ behandelt. Als Pauls Vater am Küchentisch über die Regierung schimpft, droht Paul, das seinem Führer zu erzählen. Die Eltern sprechen danach in seiner Gegenwart nicht mehr offen.

    1. Formationserziehung und funktionale Erziehung nach Krieck Paul wird in einer festen, militärisch gegliederten Gruppe erzogen. Geländespiele, Lieder und Rituale wirken unbewusst auf ihn ein und ersetzen eigene Auseinandersetzung.
    2. Führerprinzip und „Jugend führt Jugend“ Der nur wenig ältere Fähnleinführer ist Autorität und Vorbild. Das bindet Paul emotional an die Organisation und schwächt die Autorität der Erwachsenen.
    3. Gleichschaltung der Schule und „Körper vor Geist“ Mehr Sport und ideologisierte Fächer wie „Rassenkunde“ zeigen, dass körperliche Ertüchtigung und Weltanschauung vor geistiger Bildung stehen.
    4. Zurückdrängen der Familie Die HJ beansprucht Pauls Freizeit und seine Loyalität. Weil er mit Verrat droht, entsteht Misstrauen, und die Eltern verlieren ihren erzieherischen Einfluss.

    Grenzen der Theorie

    • Der totale Erfassungsanspruch wurde nicht vollständig eingelöst. Gruppen wie Edelweißpiraten und Swing-Jugend oder die Weiße Rose zeigen, dass Jugendliche sich entziehen oder widersetzen konnten – unter hohem persönlichem Risiko.
    • Viele Quellen (Reden, Richtlinien, Propaganda) zeigen den Anspruch des Regimes, nicht die tatsächliche Wirkung. Zeitzeugenberichte sind wertvoll, aber subjektiv und oft rückblickend gefärbt – Material also immer quellenkritisch lesen.
    • Die Beschreibung von „Prinzipien“ darf nicht dazu verleiten, NS-Erziehung als normales pädagogisches Konzept zu behandeln. Sie war Teil eines verbrecherischen Systems, das Ausgrenzung, Krieg und Völkermord vorbereitete und rechtfertigte.

    Schritt 3

    Video: Tobi erklärt NS-Erziehung

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    Schritt 4 · Anwendung und Training

    Teste dich!

    8 kurze Fragen. Tipp auf eine Antwort, dann siehst du sofort, ob sie stimmt.

    1. Frage 1 von 8: Was war das übergeordnete Ziel der NS-Erziehung?

      Das Regime beanspruchte den ganzen Menschen. Ziel war der gehorsame, einsatzbereite „Volksgenosse“, nicht Mündigkeit; wer nicht dazugehören sollte, wurde ausgegrenzt.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Die Jugend vollständig zu erfassen und in die rassistisch definierte „Volksgemeinschaft“ einzugliedern. Das Regime beanspruchte den ganzen Menschen. Ziel war der gehorsame, einsatzbereite „Volksgenosse“, nicht Mündigkeit; wer nicht dazugehören sollte, wurde ausgegrenzt.

    2. Frage 2 von 8: In welcher Reihenfolge gewichtete die NS-Erziehung ihre Ziele?

      Körperliche Ertüchtigung stand an erster Stelle, dann Charakter und Willenskraft (Gehorsam, Härte, Opferbereitschaft). Wissenschaftliche Bildung kam zuletzt.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Körper – Charakter/Willen – Wissen. Körperliche Ertüchtigung stand an erster Stelle, dann Charakter und Willenskraft (Gehorsam, Härte, Opferbereitschaft). Wissenschaftliche Bildung kam zuletzt.

    3. Frage 3 von 8: Was änderte sich mit dem Gesetz über die Hitlerjugend von 1936?

      Mit dem Gesetz wurde die HJ zur Staatsjugend. Die Pflichtmitgliedschaft (Jugenddienstpflicht) folgte 1939.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Die HJ wurde Staatsjugend und neben Elternhaus und Schule zur dritten Erziehungsinstanz erklärt.. Mit dem Gesetz wurde die HJ zur Staatsjugend. Die Pflichtmitgliedschaft (Jugenddienstpflicht) folgte 1939.

    4. Frage 4 von 8: Ein Heimabend beginnt mit Fahnenappell und gemeinsamem Lied, Fragen oder Diskussionen sind nicht vorgesehen. Welches Prinzip zeigt sich besonders deutlich?

      Nach Krieck wirkt die Gemeinschaft vor allem unbewusst durch Rituale und Erlebnisse. Kritische Reflexion ist dabei gerade nicht gewollt.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Funktionale Erziehung nach Krieck. Nach Krieck wirkt die Gemeinschaft vor allem unbewusst durch Rituale und Erlebnisse. Kritische Reflexion ist dabei gerade nicht gewollt.

    5. Frage 5 von 8: Worauf bereitete der BDM Mädchen vor allem vor?

      Das Rollenbild war streng geschlechtsspezifisch. Mädchen sollten gesund, gehorsam und auf Mutterschaft und Haushalt ausgerichtet sein, Jungen auf Wehrdienst.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Auf die Rolle als Ehefrau und Mutter in der „Volksgemeinschaft“. Das Rollenbild war streng geschlechtsspezifisch. Mädchen sollten gesund, gehorsam und auf Mutterschaft und Haushalt ausgerichtet sein, Jungen auf Wehrdienst.

    6. Frage 6 von 8: Welche Maßnahme gehörte zur Gleichschaltung der Schule?

      Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (April 1933) wurden jüdische und politisch unerwünschte Lehrkräfte entlassen. Die übrigen wurden im NS-Lehrerbund weltanschaulich ausgerichtet.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Entlassung jüdischer und politisch missliebiger Lehrkräfte ab 1933. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (April 1933) wurden jüdische und politisch unerwünschte Lehrkräfte entlassen. Die übrigen wurden im NS-Lehrerbund weltanschaulich ausgerichtet.

    7. Frage 7 von 8: Warum schwächte die HJ den Einfluss der Familie?

      Dienstzeiten, Lager und Fahrten reduzierten die Familienzeit. Gleichzeitig konnten Kinder gegenüber Eltern als Kontrollinstanz auftreten, was Misstrauen schuf.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Weil sie die Freizeit der Kinder beanspruchte und Loyalität zur Organisation über die Loyalität zu den Eltern stellte. Dienstzeiten, Lager und Fahrten reduzierten die Familienzeit. Gleichzeitig konnten Kinder gegenüber Eltern als Kontrollinstanz auftreten, was Misstrauen schuf.

    8. Frage 8 von 8: Welche Aussage beschreibt eine Grenze der NS-Erziehung zutreffend?

      Die NS-Erziehung wirkte bei vielen stark, aber nicht bei allen. Nonkonforme Jugendgruppen und Widerstand zeigen, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfielen; sie wurden jedoch hart verfolgt.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Der totale Anspruch wurde nicht überall durchgesetzt, wie etwa Edelweißpiraten oder Swing-Jugend zeigen.. Die NS-Erziehung wirkte bei vielen stark, aber nicht bei allen. Nonkonforme Jugendgruppen und Widerstand zeigen, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfielen; sie wurden jedoch hart verfolgt.

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    Schritt 5

    Impulsfragen zum Prüfungs-Training

    1. AFB IIAnalysiere

      Material

      (Fiktiver Fall, 1938) Die 15-jährige Grete ist im BDM. Sie verbringt mehrere Nachmittage pro Woche beim Sport, beim Singen und bei Kursen über Säuglingspflege. Ihre Gruppenführerin ist 17 und bestimmt, wer bei der nächsten Kundgebung vorne marschieren darf. Grete sagt, ihr Körper gehöre nicht ihr, sondern dem Volk.

      Analysiere den Fall im Hinblick auf Prinzipien der Erziehung im Nationalsozialismus.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Formationserziehung: feste Gruppe, militärische Ordnung, Gemeinschaft statt Individuum.
      2. Rollenbild BDM – Vorbereitung auf Mutterschaft (Säuglingspflege), körperliche Gesundheit im Dienst der „Volksgemeinschaft“.
      3. Führerprinzip und „Jugend führt Jugend“ – Belohnung durch Rang und Sichtbarkeit (vorne marschieren).
      4. Gretes Aussage als Beleg für verinnerlichte Ideologie (Indoktrination, Körper vor Geist).
      5. Jede Zuordnung mit einer Stelle im Material belegen.
    2. AFB IIErläutere

      Erläutere, wie Familie, Schule und HJ/BDM im NS-Staat zusammenwirken sollten, um Jugendliche lückenlos zu erfassen.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Familie: Einfluss durch Zeitbeanspruchung und Misstrauen zurückgedrängt, Eltern als Kontrollobjekt.
      2. Schule: gleichgeschaltete Lehrkräfte, ideologisierte Fächer (z. B. Rassenkunde, Geschichte), mehr Sport, Ausschluss jüdischer Kinder ab 1938.
      3. HJ/BDM: Freizeit, Erlebnis, Führerprinzip; ab 1936 Staatsjugend, ab 1939 Jugenddienstpflicht.
      4. Ergebnis herausarbeiten – kaum noch Räume außerhalb staatlicher Kontrolle (totaler Erziehungsanspruch).
    3. AFB IIVergleiche

      Vergleiche die Erziehung von Jungen in der HJ mit der Erziehung von Mädchen im BDM.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Gemeinsam: Formationserziehung, Führerprinzip, körperliche Ertüchtigung, weltanschauliche Schulung, Ausgrenzung „Fremder“.
      2. Jungen: Wehrertüchtigung, Härte, Vorbereitung auf Soldatentum und Krieg.
      3. Mädchen: Gesundheit, Haushalt, Säuglingspflege, Vorbereitung auf Mutterschaft.
      4. Vergleichskriterien ausdrücklich nennen und am Ende ein Fazit ziehen.
    4. AFB IIErläutere

      Erläutere, warum HJ und BDM für viele Jugendliche attraktiv waren und welche Funktion diese Attraktivität für das NS-Regime hatte.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Angebote: Abenteuer, Fahrten, Zeltlager, Sport, Uniform, Gemeinschaftserlebnis.
      2. „Jugend führt Jugend“: frühe Führungsrollen, Aufstieg, gefühlte Unabhängigkeit von Eltern und Lehrkräften.
      3. Funktion: emotionale Bindung an das Regime, unbewusste Formung (funktionale Erziehung nach Krieck), Einübung von Gehorsam (Führerprinzip), Wehr- bzw. Mutterrollen.
      4. Zusammenhang herstellen – die scheinbare Freiheit war von oben gelenkt und diente der totalen Erfassung; spätestens ab 1939 bestand Dienstpflicht.
    5. AFB IIIBeurteile

      Beurteile, inwiefern man bei der NS-Erziehung überhaupt von Erziehung im pädagogischen Sinn sprechen kann.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Maßstab klären – Erziehung als Unterstützung auf dem Weg zu Mündigkeit und Selbstbestimmung.
      2. Dagegen: Indoktrination, Ausschluss von Kritik, Gehorsam statt Urteilsfähigkeit, Ausgrenzung und Verfolgung ganzer Gruppen, Identität wird der Gemeinschaft untergeordnet.
      3. Einwand prüfen: Es gab bewusst geplante, wirksame Methoden (Erlebnis, Gemeinschaft, Vorbilder) – methodisch planvoll heißt aber nicht pädagogisch legitim.
      4. Begründetes Urteil, z. B. „Manipulation und Formung im Dienst eines verbrecherischen Systems, keine Erziehung im Sinne der Mündigkeit“, mit Bezug auf heutige Erziehungsziele (Grundgesetz, Demokratieerziehung).

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