Kohlberg: Wie entwickelt sich moralisches Urteilen?

Kohlbergs Modell der Moralentwicklung

Schritt 1

Wo stehst du gerade?

Schätz ehrlich ein, wie gut du das schon kannst. Daraus entsteht dein persönlicher Lernplan.

  1. Selbstcheck

    Ich kann die drei Niveaus und sechs Stufen nach Kohlberg in der richtigen Reihenfolge nennen.

    Tipp auf die Sterne

    Kompetenz 1 von 6

  • Ich kann die drei Niveaus und sechs Stufen nach Kohlberg in der richtigen Reihenfolge nennen.
  • Ich kann erklären, warum Kohlberg bei Dilemmata die Begründung und nicht die Entscheidung bewertet.
  • Ich kann erklären, wie nach Kohlberg der Aufstieg zur nächsten Stufe zustande kommt.
  • Ich kann Aussagen zu einem Dilemma begründet einer Stufe zuordnen.
  • Ich kann erläutern, wie Dilemmadiskussionen und die Just Community Moralentwicklung fördern sollen.
  • Ich kann Kohlbergs Modell mithilfe der Kritik von Carol Gilligan und weiterer Einwände beurteilen.

Mein Lernplan

Bewerte dich links, dann schreib ich dir hier auf, womit du anfangen solltest.

    Schritt 2

    Die Theorie erklärt

    Was ist richtig, was ist falsch?

    Willkommen zu einem spannenden Ausflug in die Welt der Moral! Wir alle fragen uns manchmal, was richtiges und was falsches Handeln ist. Aber woher wissen wir, was moralisch vertretbar ist und was nicht? Und wie begründen wir unsere Entscheidungen?

    Warum urteilen wir so schnell über Moral?

    Wir urteilen oft instinktiv und lassen uns dabei von unseren Emotionen leiten. Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt aus New York vertritt zum Beispiel die These, dass moralische Urteile meist blitzschnell aus dem Bauch heraus entstehen. Die vernünftige Begründung liefern wir oft erst hinterher nach. Nimm das Beispiel eines Mannes, der Medikamente stiehlt, um seine kranke Frau zu retten: Was denkst du – ist das moralisch vertretbar oder nicht? Und warum? Genau diese Begründung interessiert Kohlberg. Er geht, anders als Haidt, davon aus, dass sich moralisches Urteilen vor allem als Denken entwickelt.

    Wie entwickelt sich unsere Moralvorstellung?

    Um das besser zu verstehen, tauchen wir in die Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg ein. Kohlberg war US-amerikanischer Psychologe und Pädagoge. Ihn beschäftigte nach dem Zweiten Weltkrieg die Frage, wie Menschen grausamen Befehlen gehorchen konnten. Er wollte herausfinden, wie sich Moral im Laufe des Lebens entwickelt. Mit „Dilemma-Fragen“ – Situationen, in denen es kein klares Richtig oder Falsch gibt – untersuchte er die Begründungen seiner Versuchspersonen, zuerst von Jungen und jungen Männern, die er über viele Jahre immer wieder befragte. Dabei kam er zu einem erstaunlichen Schluss: Unsere Moralvorstellung entwickelt sich in sechs Stufen, die zu drei Niveaus gehören. Sie beginnt bei einem einfachen Verständnis von Strafe und Gehorsam und reicht bis zu universellen ethischen Prinzipien.

    Präkonventionelles Niveau (vor allem Kinder): Was richtig ist, hängt von den Folgen für mich selbst ab.

    1. Orientierung an Strafe und Gehorsam: Richtig ist, was nicht bestraft wird.
    2. Instrumentell-relativistische Orientierung: Richtig ist, was mir nützt. Man tauscht fair: „Eine Hand wäscht die andere.“

    Konventionelles Niveau (viele Jugendliche und Erwachsene): Was richtig ist, bestimmen die Erwartungen der Gruppe und die Regeln der Gesellschaft.

    1. Orientierung an zwischenmenschlichen Erwartungen („Good boy/Nice girl“): Richtig ist, was andere von einem guten Menschen erwarten.
    2. Orientierung an Gesetz und Ordnung: Richtig ist, Pflichten zu erfüllen und Gesetze einzuhalten, damit die Gesellschaft funktioniert.

    Postkonventionelles Niveau (nur ein Teil der Erwachsenen): Regeln werden an Prinzipien gemessen.

    1. Orientierung am Sozialvertrag: Gesetze sind veränderbare Vereinbarungen, die dem Wohl und den Grundrechten aller dienen sollen.
    2. Orientierung an universellen ethischen Prinzipien: Man folgt selbst gewählten Prinzipien wie Menschenwürde und Gerechtigkeit, die für alle Menschen gelten, notfalls auch gegen das Gesetz.

    Für Kohlberg gilt: Die Stufen werden immer in derselben Reihenfolge durchlaufen, keine wird übersprungen. Das Alter ist aber nicht festgelegt, und nicht jeder erreicht die höchsten Stufen. Stufe 6 fand Kohlberg in seinen Daten so selten, dass er sie später eher als theoretischen Endpunkt verstand. Weiter kommt man, wenn das eigene Denken nicht mehr ausreicht: Ein Argument, das man nicht widerlegen kann, erzeugt einen kognitiven Konflikt (wie bei Piaget). Voraussetzung ist außerdem, dass man sich in andere hineinversetzen kann (Perspektivübernahme).

    Welche Rolle spielt die Gesellschaft bei der Moralentwicklung?

    Kohlberg war überzeugt, dass das soziale Umfeld eine wichtige Rolle spielt. Es gibt die Moral aber nicht einfach vor. Vielmehr bietet es Anlässe, andere Perspektiven einzunehmen und über Konflikte zu streiten. Wer in Familie, Freundeskreis oder Schule oft mitdiskutieren und Verantwortung übernehmen darf, entwickelt sich meist schneller weiter. In den ersten Stufen geht es uns vor allem um Strafe und Eigeninteresse. Mit der Zeit richten wir unser Verhalten aber danach aus, wie andere uns wahrnehmen und welche gesellschaftlichen Regeln und Gesetze gelten. In höheren Stufen erkennen wir, dass man Regeln und Gesetze manchmal hinterfragen muss und dass universelle ethische Prinzipien wichtiger sein können als bestehende Normen.

    An Kohlberg gibt es auch Kritik. Seine Mitarbeiterin Carol Gilligan warf ihm vor, nur eine Moral der Gerechtigkeit zu messen. Eine Moral der Fürsorge, bei der Verantwortung in Beziehungen im Mittelpunkt steht, lande bei ihm auf Stufe 3 und wirke dadurch weniger entwickelt. Da seine ersten Studien nur mit männlichen Personen stattfanden, seien Frauen benachteiligt worden. Außerdem misst Kohlberg nur das moralische Urteil, nicht das Handeln: Wer gut argumentiert, handelt nicht automatisch moralisch. Und die höchsten Stufen spiegeln vor allem westliche, demokratische Werte wider.

    Kann man moralische Entwicklung fördern?

    Die gute Nachricht: Ja, das geht! Aus Kohlbergs Modell ergeben sich vor allem drei Wege. Erstens: moralische Dilemmata diskutieren. Wer sich mit kniffligen moralischen Fragen auseinandersetzt, kann die eigene Position klären. Besonders wirksam sind Argumente, die etwa eine Stufe über dem eigenen Denken liegen. Das nennt man auch „+1-Konvention“ oder, nach Kohlbergs Mitarbeiter Moshe Blatt, „Blatt-Effekt“. Zweitens: Partizipation. Wenn wir uns aktiv an Gemeinschaftsentscheidungen beteiligen, wie in Kohlbergs Schulkonzept „Just Community“ (gerechte Gemeinschaft), fördern wir unsere moralische Entwicklung. Dort entscheiden Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in einer Schulversammlung gemeinsam über Regeln und Konflikte, und jede Stimme zählt gleich. Drittens: über unsere Entscheidungen reflektieren und bestehende Normen hinterfragen.

    Begriffe verstehen

    Moralisches Urteil
    Die Art, wie jemand begründet, warum eine Handlung richtig oder falsch ist. Kohlberg ordnet die Stufe nach der Begründung zu, nicht nach der Entscheidung.Beispiel: „Heinz soll stehlen“ kann auf Stufe 1 und auf Stufe 5 gesagt werden – entscheidend ist das Warum.
    Moralisches Dilemma
    Eine Situation, in der zwei moralische Werte miteinander in Konflikt stehen und es keine eindeutig richtige Lösung gibt.Beispiel: Im Heinz-Dilemma steht das Recht auf Leben gegen das Recht auf Eigentum.
    Präkonventionelles Niveau (Stufe 1 und 2)
    Moral wird an den Folgen für die eigene Person gemessen. Stufe 1 orientiert sich an Strafe und Gehorsam, Stufe 2 am eigenen Vorteil und fairen Tausch.Beispiel: „Ich klaue nicht, sonst komme ich ins Gefängnis.“ (Stufe 1)
    Konventionelles Niveau (Stufe 3 und 4)
    Moral orientiert sich an den Erwartungen der Bezugsgruppe (Stufe 3, „guter Junge / gutes Mädchen“) und an Gesetz und Ordnung der Gesellschaft (Stufe 4).Beispiel: „Gesetze gelten für alle, sonst herrscht Chaos.“ (Stufe 4)
    Postkonventionelles Niveau (Stufe 5 und 6)
    Regeln werden als veränderbare Vereinbarungen zum Wohl aller verstanden (Stufe 5, Sozialvertrag). Auf Stufe 6 gelten selbst gewählte, universelle ethische Prinzipien wie Menschenwürde und Gerechtigkeit.Beispiel: „Das Recht auf Leben steht über dem Recht auf Eigentum – auch wenn das Gesetz etwas anderes sagt.“
    Just Community
    Kohlbergs Schulkonzept einer „gerechten Gemeinschaft“. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte regeln Konflikte und Regeln gemeinsam und gleichberechtigt, zum Beispiel in einer Schulversammlung.Beispiel: Die Schulversammlung stimmt darüber ab, wie mit Diebstählen in der Umkleide umgegangen wird.

    Ein Beispiel Schritt für Schritt: Der Spickzettel

    In der 9b wird diskutiert: Lena hat gesehen, dass ihre beste Freundin Jana in der Mathearbeit einen Spickzettel benutzt hat. Soll Lena es der Lehrerin sagen? Ben meint: „Nein. Jana hat mir letzte Woche auch geholfen, eine Hand wäscht die andere.“ Aylin sagt: „Eine gute Freundin verpetzt man nicht – was sollen die anderen sonst von Lena denken?“ Jonas widerspricht: „Regeln gelten für alle. Wenn jeder spickt, ist keine Note mehr etwas wert.“ Mira ergänzt: „Faire Noten sind eine Vereinbarung, von der wir alle profitieren. Wäre die Regel ungerecht, müssten wir sie gemeinsam ändern – aber solange sie fair ist, schützt sie alle, die ehrlich lernen.“

    1. Ben argumentiert auf Stufe 2 (präkonventionell, instrumenteller Austausch). Er begründet mit gegenseitigem Vorteil („eine Hand wäscht die andere“). Moral ist für ihn ein fairer Tausch zwischen zwei Personen.
    2. Aylin argumentiert auf Stufe 3 (konventionell, Orientierung an zwischenmenschlichen Erwartungen). Maßstab ist, was eine gute Freundin tut und was andere von Lena denken. Loyalität und Anerkennung stehen im Mittelpunkt.
    3. Jonas argumentiert auf Stufe 4 (konventionell, Orientierung an Gesetz und Ordnung). Er denkt aus Sicht des ganzen Systems. Regeln müssen für alle gelten, damit die Ordnung funktioniert.
    4. Mira argumentiert auf Stufe 5 (postkonventionell, Sozialvertrag). Sie sieht Regeln als gemeinsame, veränderbare Vereinbarung, die dem Wohl aller dient. Sie fragt, ob die Regel gerecht ist, bevor sie sie anwendet.

    Grenzen der Theorie

    • Carol Gilligan kritisiert die einseitige Ausrichtung auf Gerechtigkeit. Eine Moral der Fürsorge und Verantwortung in Beziehungen wird bei Kohlberg niedriger eingestuft, zudem stützten sich die frühen Studien auf männliche Probanden.
    • Kohlberg erfasst das moralische Urteil, nicht das Handeln. Wer auf hoher Stufe argumentiert, handelt nicht automatisch moralisch, und Gefühle wie Mitleid oder Scham spielen im Modell kaum eine Rolle.
    • Das Modell gilt als westlich geprägt. Die höchsten Stufen spiegeln Werte liberaler Demokratien wider, und Stufe 6 ließ sich empirisch kaum belegen.

    Schritt 3

    Video: Tobi erklärt Kohlberg

    Beim Abspielen wird YouTube geladen (Datenschutz).

    Video direkt auf YouTube ansehen

    Schritt 4 · Anwendung und Training

    Teste dich!

    8 kurze Fragen. Tipp auf eine Antwort, dann siehst du sofort, ob sie stimmt.

    1. Frage 1 von 8: Was bewertet Kohlberg, um die Moralstufe einer Person zu bestimmen?

      Kohlberg misst das moralische Urteil, also die Begründungsstruktur. Dieselbe Entscheidung kann auf ganz verschiedenen Stufen begründet werden.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Wie die Person ihre Entscheidung begründet. Kohlberg misst das moralische Urteil, also die Begründungsstruktur. Dieselbe Entscheidung kann auf ganz verschiedenen Stufen begründet werden.

    2. Frage 2 von 8: „Heinz sollte nicht stehlen, denn dann kommt er ins Gefängnis.“ Welche Stufe ist das?

      Maßstab ist allein die drohende Strafe für die eigene Person. Auf Stufe 4 ginge es um die Funktion des Gesetzes für die ganze Gesellschaft.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Stufe 1: Orientierung an Strafe und Gehorsam. Maßstab ist allein die drohende Strafe für die eigene Person. Auf Stufe 4 ginge es um die Funktion des Gesetzes für die ganze Gesellschaft.

    3. Frage 3 von 8: „Heinz soll stehlen, sonst halten ihn alle für einen herzlosen Ehemann.“ Welches Niveau ist das?

      Die Begründung orientiert sich daran, was andere erwarten und wie man gesehen wird. Das ist Stufe 3 und gehört zum konventionellen Niveau.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Konventionelles Niveau. Die Begründung orientiert sich daran, was andere erwarten und wie man gesehen wird. Das ist Stufe 3 und gehört zum konventionellen Niveau.

    4. Frage 4 von 8: Welche Aussage über die Stufenfolge trifft nach Kohlberg zu?

      Kohlberg geht von einer invarianten Abfolge ohne Überspringen aus. Viele Erwachsene bleiben auf dem konventionellen Niveau, Stufe 6 ist sehr selten.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Die Stufen werden in fester Reihenfolge durchlaufen, aber nicht jeder erreicht die höchsten.. Kohlberg geht von einer invarianten Abfolge ohne Überspringen aus. Viele Erwachsene bleiben auf dem konventionellen Niveau, Stufe 6 ist sehr selten.

    5. Frage 5 von 8: Was treibt nach Kohlberg die Entwicklung zur nächsten Stufe an?

      Wie bei Piaget entsteht Entwicklung durch kognitive Konflikte. Besonders wirksam sind Argumente, die eine Stufe über dem eigenen Denken liegen, und Gelegenheiten zur Rollenübernahme.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Die Auseinandersetzung mit Argumenten, die das eigene Denken herausfordern. Wie bei Piaget entsteht Entwicklung durch kognitive Konflikte. Besonders wirksam sind Argumente, die eine Stufe über dem eigenen Denken liegen, und Gelegenheiten zur Rollenübernahme.

    6. Frage 6 von 8: Was ist das Kernelement einer Just Community?

      In der Schulversammlung hat jede Person eine Stimme. Durch echte Mitbestimmung und Verantwortung soll moralisches Urteilen praktisch geübt werden.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte entscheiden gemeinsam und gleichberechtigt über Regeln und Konflikte.. In der Schulversammlung hat jede Person eine Stimme. Durch echte Mitbestimmung und Verantwortung soll moralisches Urteilen praktisch geübt werden.

    7. Frage 7 von 8: Was kritisiert Carol Gilligan an Kohlberg?

      Gilligan stellt der Gerechtigkeitsmoral eine Moral der Fürsorge (Care-Ethik) gegenüber. Kohlbergs frühe Studien stützten sich auf männliche Probanden, Beziehungsdenken landete oft auf Stufe 3.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Er habe eine Fürsorge-Perspektive vernachlässigt und Frauen dadurch benachteiligt eingestuft.. Gilligan stellt der Gerechtigkeitsmoral eine Moral der Fürsorge (Care-Ethik) gegenüber. Kohlbergs frühe Studien stützten sich auf männliche Probanden, Beziehungsdenken landete oft auf Stufe 3.

    8. Frage 8 von 8: „Ein Gesetz, das Menschen sterben lässt, verliert seine Berechtigung. Gesetze sind Vereinbarungen, die dem Wohl aller dienen sollen.“ Welche Stufe passt am besten?

      Gesetze werden als veränderbarer Sozialvertrag gesehen, der sich am Wohl aller messen lassen muss. Auf Stufe 4 würde das Gesetz als solches nicht infrage gestellt.

      Lösung anzeigen

      Richtig: Stufe 5. Gesetze werden als veränderbarer Sozialvertrag gesehen, der sich am Wohl aller messen lassen muss. Auf Stufe 4 würde das Gesetz als solches nicht infrage gestellt.

    9. 0/8

      Stark gemacht!

      Kohlberg gibt es auch als Lernkarte. Mit allen zentralen Theorien der Pädagogik – perfekt für die Hosentasche.

    Lernzettel als PDF – kostenlos

    Schnapp ihn dir!

    Trag dich ein und bestätige kurz in der Mail, dann gehört der Lernzettel „Kohlbergs Modell der Moralentwicklung“ dir.

    PDF · 1 Seite · unter 1 MB · Spickzettel zu genau diesem Thema

    Schritt 5

    Impulsfragen zum Prüfungs-Training

    1. AFB IIOrdne zu

      Material

      Jugendliche diskutieren, ob man einem Freund ein falsches Alibi geben sollte, damit er keinen Ärger mit seinen Eltern bekommt. Sara: „Klar, der würde das für mich auch machen.“ Tom: „Nein. Wenn Lügen normal wird, kann sich keiner mehr auf den anderen verlassen – das zerstört jede Ordnung.“ Nele: „Ich lüge nicht, sonst krieg ich selbst Hausarrest.“

      Ordne die Aussagen aus dem Material begründet einer Stufe nach Kohlberg zu.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Sara: Stufe 2 – Gegenseitigkeit im Sinne eines fairen Tauschs, eigener Vorteil.
      2. Tom: Stufe 4 – Blick auf das System, Erhalt von Ordnung und Verlässlichkeit.
      3. Nele: Stufe 1 – Vermeidung von Strafe für die eigene Person.
      4. Jede Zuordnung mit dem Merkmal der Stufe und einem Zitat aus dem Material belegen.
      5. Hinweis, dass die Entscheidung (ja/nein) für die Stufe keine Rolle spielt.
    2. AFB IIErläutere

      Erläutere, wie Kohlberg die moralische Entwicklung in der Schule fördern will.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Dilemmadiskussion – Konfrontation mit Argumenten der nächsthöheren Stufe löst einen kognitiven Konflikt aus.
      2. Rollenübernahme – sich in andere Perspektiven hineinversetzen.
      3. Just Community: Schulversammlung, gleiches Stimmrecht, gemeinsam Regeln aufstellen und Konflikte lösen.
      4. Verbindung zum Modell herstellen, weil Entwicklung als aktive Umstrukturierung des Denkens verstanden wird, nicht als Übernahme von Regeln.
    3. AFB IIVergleiche

      Vergleiche Kohlbergs Gerechtigkeitsmoral mit Carol Gilligans Moral der Fürsorge.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Kohlberg: Moral als Frage von Rechten, Gerechtigkeit und allgemeinen Prinzipien, höchste Stufe ist unparteiisch.
      2. Gilligan: Moral als Verantwortung in Beziehungen, Fürsorge und Vermeiden von Verletzung.
      3. Gemeinsamkeit: beide beschreiben Entwicklung in Stufen bzw. Ebenen und untersuchen Begründungen.
      4. Unterschied im Menschenbild: autonomes Individuum vs. Mensch in Beziehungen; Kritikpunkt der männlichen Stichprobe.
    4. AFB IIIBeurteile

      Beurteile, ob die Einführung eines Klassenrats nach dem Vorbild der Just Community die moralische Entwicklung von Jugendlichen einer 8. Klasse fördern kann.

      Zeige mögliche Lösungsansätze
      1. Einordnen, dass viele Jugendliche auf dem konventionellen Niveau urteilen (Stufe 3/4) und ein Klassenrat Perspektivübernahme und Begründen verlangt.
      2. Pro: echte Mitbestimmung, Konflikte aus dem eigenen Alltag, Verantwortung für Regeln, Konfrontation mit anderen Argumenten.
      3. Contra: Urteilen ist nicht gleich Handeln, Gefahr der Scheinbeteiligung, Zeitaufwand, dominante Stimmen, Rahmen durch Schulgesetz begrenzt.
      4. Begründetes eigenes Urteil mit Bedingungen, zum Beispiel echte Entscheidungsspielräume und Moderation durch Lehrkräfte.
    5. AFB IIErläutere

      Material

      Das bekannteste Dilemma von Kohlberg: Die Frau von Heinz ist todkrank. Ein Apotheker hat ein Medikament entwickelt, das sie retten könnte. Er verlangt dafür aber zehnmal so viel, wie ihn die Herstellung kostet. Heinz leiht sich Geld bei allen, die er kennt, bekommt aber nur die Hälfte zusammen. Der Apotheker lässt nicht mit sich reden. Heinz überlegt, in die Apotheke einzubrechen. Soll er das Medikament stehlen?

      Erläutere am Heinz-Dilemma, wie auf jeder der sechs Stufen für und gegen den Diebstahl argumentiert werden kann. Mach dabei deutlich, warum Kohlberg die Begründung und nicht die Entscheidung bewertet.

      Zeige mögliche Lösungsansätze

      Kohlberg interessiert nicht, ob jemand Ja oder Nein sagt, sondern wie die Antwort begründet wird. Deshalb kann man auf jeder Stufe dafür oder dagegen sein.

      StufePro DiebstahlContra Diebstahl
      1 · Strafe und Gehorsam„Wenn ich meine Frau sterben lasse, bekomme ich richtig Ärger. Alle geben mir dann die Schuld.“„Nein, da ich dafür eine Strafe bekommen würde und somit ins Gefängnis müsste.“
      2 · Instrumentelle Moral„Wenn meine Ehefrau es für mich machen würde, mache ich es auch für sie.“„Wenn meine Ehefrau es nicht für mich machen würde, mache ich es auch nicht für sie.“
      3 · Good boy/Nice girl„Wenn ich das Medikament stehle, merken alle, was für ein toller Ehemann und Mensch ich bin!“Man wird als Dieb angesehen und hat den Gedanken: „Andere denken schlecht von mir.“
      4 · Gesetz und Ordnung„Es ist meine Pflicht als Ehemann, meiner Frau zu helfen! Aber Stehlen bleibt Unrecht: Ich zahle das Geld später zurück und nehme die Strafe auf mich.“Diebstahl ist gegen das Gesetz. Wenn jeder Gesetze bricht, sobald es ihm wichtig erscheint, bricht die Ordnung der Gesellschaft zusammen.
      5 · Sozialvertrag„Gesetze sollen das Leben der Menschen schützen. Das Recht auf Leben wiegt schwerer als das Recht auf Eigentum. Ein Gesetz, das hier einen Menschen sterben lässt, verfehlt seinen Zweck.“„Das Eigentumsrecht ist eine Vereinbarung, auf die sich alle geeinigt haben. Wenn ich ein Gesetz für ungerecht halte, muss ich mich für eine Änderung einsetzen, statt es auf eigene Faust zu brechen.“
      6 · Universelle ethische Prinzipien„Jedes Menschenleben hat denselben Wert. Ich müsste das Medikament auch für eine fremde Person stehlen, denn das Prinzip gilt für alle Menschen.“„Vielleicht brauchen auch andere Kranke genau dieses Medikament. Ich muss das Leben aller Betroffenen gleich gewichten und darf nicht nur an meine Frau denken.“

    Alles Wichtige zu Kohlberg auf einem Blatt:

    Lernzettel – her damit! 💾